Neujahrsempfang 2026 – Fortsetzung Nachbericht
Kommunen im Spannungsfeld globaler Entwicklungen
In seiner Rede ordnete der Bürgermeister die Lage Bodelshausens in einen größeren politischen und gesellschaftlichen Zusammenhang ein. Internationale Konflikte, wirtschaftliche Unsicherheiten, Klimawandel, Digitalisierung und demografischer Wandel wirkten längst bis auf die kommunale Ebene.
„Diese Entwicklungen mögen auf den ersten Blick weit entfernt erscheinen, doch sie wirken sich unmittelbar auch auf unser Leben hier in Bodelshausen aus“, so King. Gerade deshalb komme den Städten und Gemeinden eine Schlüsselrolle zu: Hier entscheide sich, ob der Staat als handlungsfähig, verlässlich und bürgernah wahrgenommen werde.
Angespannte Haushaltslage
Ein Schwerpunkt der Rede lag auf der finanziellen Situation der Gemeinde. Unter dem Leitsatz „Sorgfältig wirtschaften, nachhaltig entscheiden“ machte Bürgermeister King deutlich, dass die Zeiten hoher finanzieller Spielräume vorbei seien.
Die einst sehr hohe Finanzkraft Bodelshausens – insbesondere durch starke Gewerbesteuereinnahmen – habe sich seit 2020 deutlich abgeschwächt. Für die Jahre 2023 bis 2025 wurden Fehlbeträge im Ergebnishaushalt verzeichnet bzw. eingeplant, und auch die mittelfristige Finanzplanung bis 2028 geht von jährlichen Defiziten in Höhe von rund einer Million Euro aus.
Besonders belastend wirkt sich die steigende Kreisumlage aus. Für 2026 muss Bodelshausen rund 3,58 Millionen Euro an den Landkreis abführen. Zum Vergleich: 2019 lag dieser Betrag noch bei etwa 2,13 Millionen Euro. Innerhalb von sechs Jahren ist die Belastung also um rund 1,6 Millionen Euro gestiegen. „Das kann bei realistischer Betrachtung so nicht lange weiter gut gehen“, warnte King.
Trotzdem blieb der Bürgermeister nicht bei einer rein pessimistischen Analyse stehen. Die Gemeinde profitiere weiterhin von einer starken industriellen Basis, leistungsfähigem Gewerbe, einer aktiven Landwirtschaft sowie einem ausgeprägten Vereins- und Ehrenamtsleben. Diese Mischung sei eine große Stärke – bringe aber auch Verantwortung mit sich.
Wichtige Infrastrukturprojekte
Als eines der größten anstehenden Bauprojekte nannte King die Sanierung der Krebsbachverdolung in der Ortsmitte. Die Maßnahme ist technisch anspruchsvoll, aber notwendig, da bei früheren Prüfungen erhebliche statische Mängel festgestellt wurden.
Zwar profitiert die Gemeinde von einer außergewöhnlich hohen Förderquote, dennoch kritisierte der Bürgermeister den enormen bürokratischen Aufwand: Zahlreiche Gutachten – von Artenschutz über Geologie bis hin zu Kampfmitteluntersuchungen – seien erforderlich. „Zigtausend Euro, die im Verfahren verschwinden“, so King. „Deregulierung und Bürokratieabbau sieht anders aus.“
Auch der Breitbandausbau bleibt ein schwieriges Thema. Bodelshausen hatte frühzeitig investiert und über vier Millionen Euro vorfinanziert. Diese frühe Initiative führt nun dazu, dass die Gemeinde bei aktuellen Förderprogrammen nicht mehr prioritär berücksichtigt wird. „Wer früh investiert hat, bekommt weniger – wer abgewartet hat, wird gefördert“, kritisierte King die bestehende Förderlogik.
Ehrenamt als Rückgrat der Gemeinde
Ein zentrales Thema des Abends war das ehrenamtliche Engagement. Bürgermeister King bezeichnete es als „Rückgrat unserer Gemeinde“. Vielerorts werde Verantwortung freiwillig und aus Überzeugung übernommen.
Besonders gewürdigt wurden:
- die Freiwillige Feuerwehr mit rund 50 Einsätzen im Jahr,
- der DRK-Ortsverein, der im Alltag und bei Notfällen unverzichtbare Arbeit leistet, sowie
- zahlreiche Vereine und Arbeitskreise, die das gesellschaftliche Leben in Bodelshausen prägen.
„Eine starke Gemeinschaft misst sich daran, wie viele bereit sind, mehr zu geben als sie müssen“, so King. Ehrenamt sei kein Selbstläufer und müsse auch künftig Wertschätzung und Unterstützung erfahren.
Zuversicht trotz schwieriger Rahmenbedingungen
Zum Abschluss seiner Rede warb Bürgermeister King für Vertrauen in die kommunale Arbeit und den demokratischen Prozess. Der Anspruch der Gemeinde sei es, dieses Vertrauen „nicht durch große Worte, sondern durch verlässliche Arbeit, durch transparente Entscheidungen und durch einen respektvollen Umgang miteinander“ zu rechtfertigen.
Trotz aller Herausforderungen zeigte sich der Bürgermeister zuversichtlich: Zusammenarbeit, Augenmaß und gegenseitiges Vertrauen seien auch 2026 der richtige Weg für Bodelshausen.
Der anschließende Stehempfang bot den Gästen Gelegenheit zum persönlichen Austausch – ganz im Sinne des Neujahrsempfangs als Ort der Begegnung, Orientierung und des gemeinsamen Blicks nach vorn.




