Schottergärten - Bitte vermeiden

Schottergarten
Beispielbild (nicht in Bodelshausen) – Foto: NABU/Dietmar Oelinger


Bitte vermeiden Sie bei der Gestaltung Ihrer Freiflächen sogenannte Schottergärten

In den letzten Jahren hat sich in Deutschlands Gärten eine Unart ausgebreitet: Statt Stauden, Gehölzen und Grasflächen findet man immer mehr Schotterflächen.

Vorgärten ähneln so eher einer Steinwüste als einer schön gestalteten grünen Oase. Daran können auch einzelne Zwergsträucher zwischen den Gesteinsbrocken nichts ändern. 

In Bodelshausen ist diese Art der Freiflächengestaltung aktuell noch nicht allzu stark verbreitet. Damit das auch so bleibt möchten wir bereits frühzeitig über die negativen Auswirkungen dieser Vorgartenanlage aufklären und zu einer naturnahen Gartengestaltung animieren.

Was ist ein Schottergarten?Ein Schottergarten ist eine Gartenfläche, die großflächig mit Steinmaterial bedeckt ist, häufig mit gebrochenen Steinen mit scharfen Kanten und ohne Rundungen (Schotter); für den gleichen Stil können aber auch Geröll, Kies oder Splitt verwendet werden. Steine sind das hauptsächliche Gestaltungsmittel –Pflanzen kommen nicht oder nur in geringer Zahl vor und sind dann oft durch strengen Formschnitt künstlich gestaltet. Häufig werden dabei nicht heimische Arten wie Thuja, Kirschlorbeer oder Pampasgras verwendet, die kaum ökologischen Nutzen aufweisen. Für die Anlage eines Schottergartens wird der Boden bis zu einem halben Meter Tiefe abgetragen und durch ein entsprechendes Volumen an Gestein ersetzt. Damit Schottergärten nicht schnell mit unerwünschten Pflanzen zuwachsen, wird über dem Boden ein Vlies verlegt, das Pflanzenaufwuchs verhindert; in einigen Fällen werden auch Folien oder Beton verwendet, wodurch die Fläche dann als versiegelt gelten kann.Nicht verwechseln sollte man Schottergärten mit echten Steingärten, welche mit Boden/Erde verbunden sind, natürliche Felslebensräume nachbilden und Lebensraum für Wildpflanzen, Eidechsen, Insekten und Spinnen bieten können. Besonders Frühlingsfingerkraut, Edelgamander, Mauerpfeffer und Hauhechel ziehen Wildbienen an.
Sind Schottergärten pflegeleichter als grüne Vorgärten?
Nur kurzfristig. Auf dem Schotter bzw. in den Zwischenräumen oder der Folie unter dem Schotter sammeln sich Laub und Staub. Auf diesem Nährboden können durch Vögel oder Wind verbreitete Samen keimen, und nach wenigen Jahren wächst auch in Schottergärten das Unkraut. Die Pflege ist dann sehr aufwändig - außer man geht mit Herbiziden gegen die unerwünschten Pflanzen vor.

Negative Auswirkungen der Schottergärten
Schottergärten beeinflussen
die Biodiversität: Auf den kahlen Flächen finden Tiere keine Nahrung und keinen Unterschlupf. Pflanzen sind unerwünscht.
den Boden: Das natürliche Bodengefüge wird zumindest stark beeinträchtigt. Der Boden verliert seine Funktionen.
das Ortsklima: Schotterflächen wärmen sich bei Sonnenschein vor allem im Sommer enorm auf und halten diese Wärme auch über Nacht. Es fehlen meist Pflanzen, die sich durch Verdunstung und Schattenwurf positiv auf die Umgebung auswirken. Angesichts der Klimaerwärmung ist dies insbesondere auch in unseren Städten und Gemeinden ein unerwünschter Effekt, der die Überhitzung der Kommunen fördert und den Kaltluftaustausch behindert.
den Wasserhaushalt: Schottergärten sind versiegelte Flächen, wenn bei der Anlage eine wasserundurchlässige Folie oder Beton verwendet wurde. Das Wasser muss an der Oberfläche ablaufen und wird nicht dem Grundwasser zugeführt.

Rechtslage
Schottergärten sind rechtlich zumindest problematisch und laufen den Zielsetzungen des Naturschutzes, des Bodenschutzes und der Stadtgestaltung zuwider.
Die Landesbauordnung Baden-Württemberg (LBO) schreibt vor, dass unbebaute Flächen als „Grünflächen“ anzulegen oder anderweitig zu begrünen sind. Graue „Schotterwüsten“ erfüllen diese Vorgabe nicht.
„§ 9 LBO - Nichtüberbaute Flächen der bebauten Grundstücke, Kinderspielplätze(1) Die nichtüberbauten Flächen der bebauten Grundstücke müssen Grünflächen sein, soweit diese Flächen nicht für eine andere zulässige Verwendung benötigt werden. [...].“Aktuell ist zudem eine Novelle des Landesnaturschutzgesetzes Baden-Württemberg in der Diskussion, um u.a. auf eine insektenfreundliche Gestaltung von Gartenanlagen hinzuwirken und Schottergärten zu verbieten.Weiterhin geben viele Bebauungspläne der Gemeinde Bodelshausen vor, dass nicht überbaute Freiflächen der Baugrundstücke als Grünflächen zu entwickeln und zu erhalten sind.
Wie kann man es besser machen?Seien Sie selbst ein Vorbild und säen Sie in Ihrem (Vor)Garten (sofern vorhanden) bunte Wildblumenwiesen mit einheimischen Arten. Diese müssen nur zweimal im Jahr gemäht werden. Erhöhen Sie die Artenanzahl in Ihrem Garten durch unterschiedliche heimische Baum- und Straucharten. Je mehr Arten in einem Garten vorkommen, umso größer ist normalerweise auch die Anzahl der Nützlinge, die die Schädlinge im Zaum halten. Verzichten Sie auf synthetische Schädlingsbekämpfungsmittel. Lassen Sie Herbstlaub auf den Beeten liegen. Das spart zum einen Arbeit, zum anderen erhöht es die Bodenfruchtbarkeit und dient als Lebensraum für Tiere im Winter. Bunte Vielfalt statt grauer SteinflächenVorteile eines grünen (Vor)Gartens: Gutes Klima: Pflanzen kühlen die Luft im Sommer ab. Gute Luftqualität: Pflanzen reinigen die Luft von Feinstaub und produzieren Sauerstoff. Rückzugsort für Tiere: Ein blühender Garten bietet für Insekten, wie Schmetterlinge und Bienen, wichtige Nahrung und Lebensraum. Bessere Lebensqualität: Bunte Farben und herrlicher Duft sorgen für ein angenehmes Wohnumfeld. Ein bunter Garten wird mit den Jahren noch schöner.