Waldumgang Bodelshausen 2025 - Gemeindeboten

Am vergangenen Freitag konnte Bürgermeister King vor dem Sportheim rund 30 Personen zum Waldumgang begrüßen. Mitglieder des Gemeinderates und der Gemeindeverwaltung, Jagdpächter und interessierte Bürgerinnen und Bürger wollten sich von Revierförster Kern über die Bewirtschaftung der Eiche im Gemeindewald informieren lassen.

Mit 62 % Flächenanteil ist die Eiche die wichtigste Baumart im Gemeindewald. Rund dreiviertel der Bestände sind jünger als 40 Jahre. Sie stammen aus Pflanzungen nach den Stürmen Vivian/Wiebke 02/1990 und Lothar 12/1999.


Am Waldrand am Barnberg konnte eine alte Eiche mit Blitzschaden bestaunt werden. Sie ist seit wenigen Tagen als einer von rund 1000 Habitatbäumen im Gemeindewald markiert (Blechschild mit Specht und blaues „H“) und damit Bestandteil des Förderprogrammes „klimaangepasstes Waldmanagement“. Darin verpflichtet sich der Gemeindewald, eine besonders ökologische und klimaschonende Bewirtschaftung umzusetzen (Bsp.: Waldverjüngung über heimische Baumarten und Naturverjüngung, keine Kahlschläge, keine Gifteinsätze) und erhält als Ausgleich für diese Mehrleistung rund 19.000 € Fördergelder pro Jahr.

Wenige Meter entfernt wurde der Blick auf die mit roten Punkten markierten „Zukunftsbäume“ in einer rund 40-jährigen Eichen-Jungdurchforstung gelenkt. Diese Bäume sind die wuchskräftigsten und qualitativ besten Bäume des Bestandes und sollten in einem Abstand von 10 - 15 Meter auf der Fläche verteilt stehen. Um diese Bäume optimal zu pflegen, zu fördern und die Krone freizustellen, schlägt das Forsteinrichtungswerk (10-jähriger Betriebsplan) vor, alle fünf Jahre eine Durchforstung zu machen. Der erste Durchgang wurde im Winter 2023/24 bereits vollzogen.

Im Distrikt Barnberg stehen die ältesten und schönsten Eichen des Gemeindewaldes, rund 190 Jahre alt! Damit kann wertvolles Furnierholz geerntet werden, aber gleichzeitig sind diese alten Eichenwälder auch naturschutzfachlich besonders wichtig. Hier fühlen sich mehrere seltene und besonders geschützte Tier- und Pflanzenarten wohl (Mittelspecht, Bechsteinfledermaus, Großes Mausohr, Gelbbauchunke, Grünes Besenmoos). Die Herausforderung ist also, bei der Holzernte die Brut- und Lebensstätten der Tiere nicht zu beschädigen und zu zerstören und den alten Eichenbestand sehr sorgfältig und zurückhaltend zu bewirtschaften.

Vor rund 15 Jahren wurde in einem Bestandsteil ein sogenannter „Schirmschlag“ vollzogen, um die reiche Eichelmast und die daraus entstandene Naturverjüngung zur Verjüngung des alten Eichenbestandes zu nutzen. Mithilfe einer sehr intensiven Jagd auf Rehwild gelang es, eine zwischenzeitlich rund drei Meter hohe Eichendickung zu schaffen. Damit ist der Grundstein für die nächste Generation des Eichenwaldes gelegt.

Am letzten Punkt wurde eine etwa 20 Jahre alte Anpflanzung begutachtet. Mit nur rund 5000 Pflanzen pro Hektar ist die Pflanzung nicht mehr als eine Notlösung im Vergleich zu einer Eichennaturverjüngung, die oftmals bis zu einer halben Million junger Bäumchen pro Hektar aufweist. Alle Eichenkulturen müssen gegen Rehwild geschützt werden, zumeist mit Plastikröhren.

Deren Abbau nach etwa 20 Jahren ist derzeit ein Arbeitsschwerpunkt im Gemeindewald, um in naher Zukunft „plastikfrei“ sein.

Nach dem Waldumgang berichtete Revierförster Kern im Sportheim im Rahmen einer offiziellen Gemeinderatssitzung über die Waldbilanz 2024 und den forstwirtschaftlichen Plan 2025. Besondere Aufmerksamkeit galt hierbei der geplanten Bodenschutzkalkung, die im Spätsommer dieses Jahres im Bereich Stockachhau durchgeführt werden soll. Ziel ist, die durch Säureeinträge (bedingt durch die Luftverschmutzung) belasteten Waldböden und die bodenchemischen Verhältnisse in einem guten Zustand zu erhalten.

Der Gemeinderat beschloss einstimmig die Waldbilanz.